Wohnen mit Kindern Lübeck 2008

-3. und einziger Preis in der Gruppe-

Wohnen mit Kindern I Lübeck I Deutschland I 2008
Vogelperspektive

Text
Ideenwettbewerb mit Realisierungsabsicht „Wohnen mit Kindern“ Lübeck

Eigentümer: Grundstücksgesellschaft TRAVE mbH, Lübeck
Auslober: Hansestadt Lübeck, Fachbereich 5-Planen und Bauen
initiiert / gefördert: Innenministerium S-H als Modellprojekt
Ort: Quartier Tilsitstrasse / Tannenbergstrasse, Lübeck Kücknitz
Landschaftsarchitekt: Land+, Hanne und Michael Finke, Dalby, DK
Verfahren: Bewerbungsverfahren EU-weit
Teilnehmerzahl: 5 Gruppen mit je 3 Bearbeitungsteams
aus Stadtplaner, Architekt, Landschaftsarchitekt
Auslobung: 2008
-3. und einziger Preis in der Gruppe-

Städtebauliche Voraussetzungen

Die ca. 4,4 ha große Fläche des Plangebietes im Stadtteil Kücknitz ist bebaut mit 4-geschossigen Gebäuderiegeln aus den 1960er Jahren mit ca. 290 Wohneinheiten, deren funktionaler und technischer Zustand nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Der Stadtteil droht, aufgrund von zunehmenden Leerständen und einer Bewohnerstruktur aus sozialschwachen Bevölkerungsgruppen zu einem problembelasteten Wohngebiet zu werden.  Ziel ist, diese innenstadtnahe Fläche für eine familiengerechte, kinderfreundliche und generationsübergreifende Wohnbebauung zu aktivieren. Der Stadtteil Kücknitz als Wohn- und Lebensort soll aufgewertet und die vorhandene Infrastruktur gestützt werden.

I. Städtebauliches Konzept – Oberthema 2: Haus – Ensemble – Wohnumfeld

Die Leitidee des Entwurfes ist, verschiedene städtebauliche Wohnatmosphären zu erzeugen, die durch einen Landschaftsgürtel nicht nur untereinander, sondern auch mit der Umgebung verknüpft sind. Innerhalb dieses Grünraumes werden verschiedene Elemente einer Landschaft inszeniert, die unterschiedliche Spiel- und Naturerlebnisatmosphären erzeugen.  Im Kontrast zur umliegenden Siedlungsstruktur, die durch verstreut auf der Grünfläche stehende Wohngebäude charakterisiert ist, schlagen wir vor, im Wettbewerbsgebiet ein Spannungsfeld zwischen raumbildender Bebauungsverdichtung und einem großzügigen zusammenhängenden Grünraum aufzubauen. Für gemeinsame, generationsübergreifende Aktivitäten gibt es ein Gemeinschaftshaus am Parkrand im nördlichen Quartier und eine Gemeinschaftswerkstatt im südlichen Quartier.

Das nördliche Quartier: (Unterthemen 1, 4, 5, 6)

Wohnumfeld / Spielareale –(U 6):

Hier entsteht die Typologie eines Straßenraumes mit kleinstädtischer Dichte. Die verschiedenen Wohnungstypen sind zu unterschiedlich langen, zwei- bis dreigeschossigen Häusern zusammengefügt.  Die lockere Stellung der Häuser (Treibholz) bildet einen spannenden Wohnstraßenraum mit Nischen zwischen den Häusern. Zu den Hauseingängen führen Treppen und bespielbare Rampen; die ebenfalls 80cm höher gelegenen Nischen sind wohnungsnahe Spielplätze zum Klettern und Schaukeln (Kleinkinder) oder einfach nur Sitzen und Schauen (Senioren); sie können auch als Bühnen dienen. Alle Hauseingänge und Dielen orientieren sich zu der Wohnstraße. Die nördliche Häuserzeile wird aufge-ständert (EG-Niveau = 1,80 m über Tilsitstraße), so dass darunter die notwendigen Stellplätze für das gesamte nördliche Quartier geschaffen werden können.

Das Prinzip des „tödlichen“ Zweispänners wird hier vitalisiert durch eine großzügige gemeinsame „Diele“, über die die offene Geschosstreppe erschlossen wird und in der Platz ist zum gemeinsamen Spielen.  Es gibt 13 unterschiedlich große Wohnungstypen von 2-Personenwohnungen (56 m²) bis 7-Personen-wohnungen (142 m²). Sie sind vielfältig kombinierbar, so dass sowohl Alleinerziehende, Senioren und Familien mit 1 – 5 Kindern hier ein Angebot finden. In den Wohnungen sind die Zimmer durch Schiebetüren untereinander und durch Spielflure mit der großzügigen Wohnküche verbunden, die sich jeweils zur vorgelagerten Terrasse nach Süden öffnet. Die „Schottenbauweise“ mit einem Achsmaß der tragenden Wände von 5,75 m ermöglicht den Ausbau mit flexiblen nicht tragenden Innenwänden.

Das südliche Quartier: (Unterthemen 1, 2, 5, 6)

Wohnumfeld / Spielareale –(U 6):

Hier entsteht die Typologie eines Angers mit ein- bis dreigeschossiger Randbebauung. Der gemeinsame Anger entwickelt sich gemäß des Motivs „Hafen“ aus einem Grünbereich mit Baumdach, der in eine befestigte Fläche mündet.  Die Haustypen sind auf zwei unterschiedliche Arten kombiniert, so dass sich unterschiedliche Wohnatmosphären ergeben:

– Bogen, der in die Landschaft ausläuft (Staffelung, Reihung): „Wohnen im Park“ und

– Hauspaare am Wohnweg, addiert (Teppich): „Wohnen in der Siedlung“, die kurzen Wohnwege sind an den zentralen Anger angeschlossen.

Die Häuser im Bogen haben nach Süden einen teils durch die Hauskante, teils durch eine Gartenmauer oder Hecke eingefassten Gartenhof, der unmittelbar an den Wohnweg bzw. Anger grenzt. Der Anger öffnet sich zum Spielpark. Die Spielbereiche vergrößern sich somit schalenförmig über Gartenhof–Anger–Park.  Die Hauspaare umschließen dreiseitig einen Gartenhof, der unmittelbar an den Wohnweg grenzt. An den Hauseingängen befinden sich nach Osten Frühstücksterrassen. Die Spielbereiche vergrößern sich auch hier schalenförmig über Gartenhof / Terrasse–Wohnweg–Anger–Park.

Haustypen – (U 1,2,5):

Das Unterthema 2 „vertikal organisiertes, innerstädtisches Einfamilienhaus“ ist hier in 7 Varianten vertreten mit Hausgrößen zwischen 74 und 215 m² und Einliegerwohnungen von 48 und 54 m². Den Grundtypus gibt es schmal (5,40m) und breiter (6,40m) mit 111 und 123 m². Der Zwischenbaukörper ist drei- (Bogen) bzw. zweigeschossig (Teppich) und bietet die Möglichkeit, unterschiedlich genutzt zu werden: als Kleinstwohneinheit für Großeltern (Senior) oder das fast erwachsene Kind (Junior), als Homeoffice oder als Einliegerwohnung. Der jeweils an den Gartenhof angrenzende Bauteil der Häuser ist eingeschossig, um die Besonnung des Innenhofes zu gewähren. Das Dach ist als Terrasse ausführbar.  Die Materialien der Gebäude müssen im Sinne der Auslobung authentisch sein, also z.B. Stein und Holz. Es gibt Sattel-, Pult und flache, extensiv begrünte Dächer. Die beiden Quartiere sollten einen eigenen Gestaltcharakter, aber übereinstimmende Elemente haben.

III. Spielpark als inszenierte Landschaft

Der Grüngürtel sollte sich über die das Wettbewerbsgebiet begrenzenden Straßen hinaus erstrecken und dadurch eine verbindende Funktion bekommen. Bolzplatz und Basketballfeld sind in Straßennähe angeordnet, denn die älteren Kinder und Jugendlichen, die hier spielen, wollen gesehen werden. Der Straßenbereich wird verkehrsberuhigt.  Die inszenierte Landschaft ist geprägt durch einen reichen Laub- und Obstbaumbestand, in dem Landschaftselemente wie Hügel, Wiese, Wasserfläche mit Strand, und Aktionsfelder wie Bolzplatz und Basketballkäfig als Lichtungen eingeschnitten sind. Klettern, verstecken, Buden bauen im Wald – plantschen und matschen im flachen Wasser – im Sand spielen am „Strand“ sind Beispiele dafür, wie in „natürlicher“ Atmosphäre gespielt werden kann. Die Spielbereiche sind durch einen stegartigen Weg, der sich durch den gesamten Grünbereich bewegt, verknüpft.  Der Landschaftsgürtel ist von den Rändern zur Mitte hin abgesenkt, an der tiefsten Stelle liegt die Wasserfläche. Ein geschwungener Holzsteg, der über die Wasserfläche am Schilf entlang führt, verbindet die beiden Wohnquartiere miteinander.