Wohnquartier Schwarzenbachtal Flensburg 2016

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Text
Städtebau- und Nutzungskonzept

„Lebendiges Spiel auf ruhiger Grundstruktur“ könnte das Motto des Entwurfs lauten, denn die Bebauung konzentriert sich auf vier Nachbarschaft bildende Höfe, bestehend aus Mehrfamilienhäusern unter-schiedlicher Größe und variierender Höhe. Die beiden Altkasernen bilden dabei Ausgangs- und Integrationsorte für die Struktur und bedingen den Versatz in der Ost-West-Fuß- und Radwegachse. Die Atmosphären von Nachbarschaftshöfen und Grün- und Gartenflächen wechseln einander ab und bieten Orientierung im Gebiet. Jeder Hof sowie dessen nördlicher und südlicher Teilbereich haben eine individuelle Gestalt und städtebauliche Ausformung.
Die Höhenstaffelung der Gebäude von punktuell 6 bis hin zu 3 Geschossen erfolgt tendentiell von Nord nach Süd, also von der Harissleer Straße zum Hang, jedoch variieren die Gebäudehöhen innerhalb dieses Spektrums. So befinden sich z.B. zwei 6-geschossige „Türme“ an der Ost-West-Achse. Durch Staffelungen von 4 auf 3 Etagen werden Dachterrassen geschaffen, durch L-förmige Gebäude Räume eingefasst.
Im nördlichen Bereich der Höfe befinden sich vorzugsweise geförderte bzw. genossenschaftliche Wohnungen, im südlichen Bereich bieten sich darüber hinaus Wohngruppen, Reihenhäuser mit Einliegerwohnung und große Eigentumswohnungen an. In Hof 4 süd wird Betreutes Wohnen vorgeschlagen und in Hof 1 nord „autofreies“ Wohnen/Wohngruppe im Altkasernengebäude. Hier schließt sich, nach Westen zum Spielplatz orientiert und in Verbindung mit der Quartiershalle (Bewegung / Tanzen / Spiele), eine Kita an.
Jeder der vier Höfe funktioniert für sich und enthält eine Mischung unterschiedlicher Wohnformen. Aufgrund der klaren Struktur stellen sich Parzellierung und abschnittweise Realisierung einfach dar. Das Konzept sieht insgesamt 397 Wohnungen vor.

Erschließung und Ruhender Verkehr
Reduktion ist das Stichwort für die Erschließung durch PKW. Die Höfe 1 und 2 sind als Ring an die Amsel- und Meiereistraße angebunden, die Höfe 3 und 4 als Stichstraße an den Junkerhohlweg. Zugunsten des Wohnens im Grünen und zur Steigerung der Wohnqualität in den Höfen werden insgesamt 150 Stellplätze und ausreichend Fahrradräume in 4 Tiefgaragen untergebracht. Die Ausnahme bildet der Bauabschnitt 5, denn dort werden 53 Stp, in Verbindung mit dem geförderten Wohnungsbau, ebenerdig vorgeschlagen.
Insgesamt 119 Parkplätze befinden sich auf öffentlichen Verkehrsflächen verteilt auf die vier Höfe.

Freiraumkonzept, Höfe und Wege
Motiv und Ziele

Umgeben von weitgehend naturnah gestalteten Grünflächen liegen die vier Höfe im flachen Talraum des ehemaligen Schwarzenbachs. Die für Flensburg charakteristische Hofstruktur kann hier durch großzügige Grünflächen ergänzt werden und entwickelt damit hohe Außenraumqualitäten für das innerstädtische Wohnen.

Dem Entwurf liegen folgende, wesentliche, freiraumplanerische Ziele zu Grunde:

  • Freilegen der Talsituation durch querende Grünzüge und Betonen der Ränder, insbesondere Weiterentwickeln der topografisch prägnanten südlichen Hangkante
  • Durchlässigkeit und Vernetzung mit der Umgebung, Freilegen von Sichtachsen, Herstellen von Fuß-Radwegeverbindungen
  • Einfache Erschließung im verkehrsberuhigten shared-space-Prinzip
  • Initiieren und Förden von Nachbarschaften durch die Freiraumstruktur und –gestaltung
  • gestalterisch angemessene, dabei fließende Übergänge zwischen öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Flächen

Talraum und Talränder
Durch Abrücken der Baulinien von den Talrändern wird der flache Talraum wieder ablesbar. Das West-Ost-Gefälle wickeln Geländemodellierungen innerhalb der zwischen den vier Höfen verlaufenden Grünzüge ab. Die prägnante südliche Hangkante erhält als dominierendes landschaftliches Element mehr Entwicklungsraum. Hier kann in Verbindung mit der Anlage eines quartiersübergreifenden Fuß-/Rad-Weges die abschnittweise gestauchte Böschung variierend neu modelliert werden. Ein Wiesenstreifen säumt den Fuß des baumbestandenen Hanges.
Auf schmalerem Raum und ebenfalls von Bäumen begleitet, verläuft am nördlichen Talrand der Fuß-/Radweg zur Neustadt. Im östlichen Abschnitt kann er als rückwärtige Zufahrt für den Gewerbebetrieb an der Neustadt 51 genutzt werden. Südlich des Weges liegen hier – jedoch nur von Süden anfahrbar – die begrünten Stellplätze für den überwiegend Sozialen Wohnungsbau der nördlichen Höfe 3 und 4.

Höfe und direktes Wohnumfeld
Die Höfe erfüllen vielfältige Funktionen. Sie dienen als barrierefreie Verkehrsflächen für Fußgänger, Radfahrer und PKWs, regelmäßig auch für die Müllabfuhr u.a.. Grünflächen und Baumpflanzungen gliedern die Nutzungsbereiche und übernehmen stadtklimatische Funktionen. Besondere Bedeutung haben die Höfe für die nachbarschaftliche Identitätsbildung: Private, gemeinschaftliche und öffentliche Flächen gehen fließend
ineinander über, Aufenthalts- und Spielflächen fördern ebenso wie die erforderliche gemeinschaftliche Infrastruktur (Parken, Fahrrad-/Müllhäuschen) die Begegnung und Kommunikation. Die Verkehrsflächen in den Höfen können im Mischprinzip hergestellt werden, denn der Großteil des Anlieger-PKW-Verkehrs wird bereits an den Hofeinfahrten in die Tiefgaragenstellplätze abgeleitet.
Die interne Nachbarschaftlichkeit der vier Höfe wird durch öffentliche Durchwegung und öffentlichen Außenbezug ergänzt. In Ost-West-Richtung verläuft, ausgehend vom Junkerhohlweg, eine öffentliche Wegeachse durch die Höfe. Zwischen den Höfen 1 und 2 sowie 3 und 4 ist sie als Wohnweg im Mischprinzip ausgebildet, zwischen den Höfen 2 und 3 jedoch nur als Fuß-/Radweg. Im Bereich der Hofquerungen weitet sich der Wohnweg auf, hier liegen öffentliche Parkplätze und bedarfsweise Wendemöglichkeiten für größere Fahrzeuge (z.B. Müll).

Terrassenseite, Grünzüge, Spielplatz
Die zu den Grünzügen orientierten Gebäudefassaden bieten Balkone bzw. Loggien und private Terrassen mit Blick auf die naturnah gestalteten Grünzüge. Sie sollen als extensiv gepflegte Wiesen mit lichtem Baumbestand gestaltet werden. Nach Bedarf und Interesse der Bewohner können sich Nutz- und Gemeinschaftsgärten in die Grünzüge einlagern. Private und öffentliche Grünflächen sollen im Idealfall homogen erscheinen, Grenzen möglichst nicht ablesbar sein.
Die zentrale öffentliche Grünfläche des Gebietes bildet weiterhin der Spielplatz unterhalb der Eckener Straße. Mit der großen Wiesenfläche, in die Spiel- und Freizeitsportanlagen eingestreut sind, verbindet er sich harmonisch mit den neuen Grünflächen des Quartiers. Entlang seines Westrandes verläuft der gestalterisch aufgewertete und um Sitzmöglichkeiten ergänzte Weg zur Treppe Richtung Eckener Straße.

Klimaschutz- und Umweltkonzept
Über die zuvor beschriebenen Maßnahmen hinaus werden folgende, das Kleinklima positiv beeinflussende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Begrünte Dächer
  • Neubepflanzungen
  • wasserdurchlässige Beläge der Straßen und Wege sowie Park- u. Stellplätze