Innenstadt Eckernförde 2004

Stadtplanung I Eckernförde I Deutschland I 2004
Lageplan

Text
Städtebaulicher Ideenwettbewerb „Neugestaltung der Innenstadt“ Eckernförde

Auslober: Stadt Eckernförde
Ort: Innenstadt Eckernförde
Landschaftsarchitekt: Brien. Wessels. Werning, Lübeck
Verfahren: Städtebaulicher Ideenwettbewerb, EU-weites Bewerbungsverfahren
Teilnehmerzahl: 15 Teilnehmerbüros
Auslobung: 2004
-1.Preis-

Gestaltungskonzept

Im Gegensatz zu der Synthetik eines Einkaufscenters auf der Grünen Wiese ist die Unverwechselbarkeit und das Authentische, das Alte und das Gewachsene im Wechselspiel mit dem Neuen und natürlich dem städtischen Leben eine Qualität, die nur in einer Innenstadt mit Historie spürbar und erlebbar ist. Dieses städtebauliche Profil ist in Eckernförde zwar vorhanden, muss jedoch geschärft werden. Dazu bedarf es in erster Linie eines rigorosen Aufräumens, insbesondere im Bereich der Fußgängerzone. Die oft sehr reizvollen Gebäude mit ihrem Erdgeschoss versinken in einer gesichtslosen Ladenarchitektur. Das Haus als Ganzes wird auf Grund der extrovertierten Sockelzone kaum noch wahrgenommen. Unsere Absicht ist es deshalb, die Gebäude bzw. Häuser wieder an die Straße zu stellen. Dazu bedarf es einer Gestaltungssatzung, die insbesondere voluminöse Vorbauten und Dächer verbietet und die Werbung auf ein angemessenes Niveau herunterschraubt.

Die Kleinteiligkeit der Eckernförder Innenstadt und eine große Vielfalt von Ladenlokalen prägt schon heute die Fußgängerzone. Zur Unterstützung dieser Qualität ist es aus Sicht der Verfasser erforderlich, den Straßenraum möglichst ruhig, das heißt mit einer zurückhaltenden Pflasterung und reduzierten Möblierung zu versehen.  Im Hinblick auf die Nutzungsverteilung unterstützt das Gestaltungskonzept eine Stärkung des jetzt schon intensiv genutzten mittleren Abschnittes der Fußgängerzone und sieht sowohl im Norden als auch im Süden eine deutliche Verringerung des Einzelhandels und einen höheren Anteil von Restaurants und Kneipen (Norden) sowie Wohnen und Dienstleistungen (im Süden). Dieser Konzentrationseffekt spiegelt unserer Auffassung nach das aktuelle Angebot/Nachfrage-Verhältnis wider und vermeidet unattraktive Leerstände. Ein Entwicklungspotential für zusätzliche Ladenflächen ergibt sich im Bereich der vorhandenen Plätze, die in sehr viel stärkerem Maße belebt und in den Betrieb der Fußgängerzone mit einbezogen werden sollen.

Fußgängerzone

Der betont flächige homogene Belag aus hochkant verlegten und besonders langformatigen Klinkern wirkt als ruhiger Grundton zu der kleinteiligen Architektur und Nutzungsvielfalt zu beiden Seiten. Im Gegensatz zu den vorhandenen roten Klinkern, ist der grau-beige Farbton des neuen Materials heller und freundlicher. Durch das dünne und lange Format (5,2 x 45) ergibt sich im Detail eine elegante Linierung. Durch eine leichte Flammung und Bearbeitungsspuren wirkt der Belag im Detail lebendig und sehr hochwertig. Ein unangemessener Anklang an einen großstädtisch, mondänen Charakter wird zugunsten schlichter Eleganz vermieden. Die Mittellinie der Einkaufsstraße wird von einer durchlaufenden Schlitzrinne aus Cortenstahl markiert. Zu den angrenzenden Fassadenkanten wird der Klinkerbelag durch einen großformatigen Granitplattenstreifen begrenzt. Die Granitplatten der begleitenden Randstreifen haben eine geflammte Oberfläche und sind dem Farbton der Klinker angepasst. Die Gestaltung der Möbel ist bewusst schlicht und archaisch gehalten. Massive akkurat bearbeitete Eichenstämme schaffen einen gewissen Bezug zu den Dalben und Anlegern am Hafen. Unterstützt wird dies ebenfalls durch die Verwendung von Cortenstahl.  Die Attraktivität der Fußgängerzone für Familien wird durch die Einrichtung von sogenannten Spielpunkten erreicht. Einem maritimen Thema untergeordnet, bereichern die überwiegend skulptural wirkenden Spielelemente das Straßenbild und sind gleichzeitig Anziehungspunkte nicht nur für Kinder.  Der südliche Eingang in die Fußgängerzone wird freigeräumt und durch das Thema Wasser geprägt. Bewegtes Wasser an einer Wasserwand erzeugt Aufmerksamkeit und das lange Wasserband steigert die Attraktivität des Weges bis in die eigentliche Einkaufszone. Das Thema Wasser, welches schon heute durch die vielen Brunnen präsent ist, erhält hier noch einmal einen Schwerpunkt und Auftakt und zieht sich bis zum Hafen durch.

Plätze

Im Kontrast zu der gestalterischen Kontinuität der Fußgängerzone verfügen die Plätze über einen jeweils eigenen Charakter, geprägt durch die Materialität, Möblierung und Beleuchtung.

Das Wasserband am südlichen Eingang der Fußgängerzone in Verbindung mit der klar gestalteten Mauerkante kennzeichnet den abgesenkten Platz innerhalb des Straßenraumes.  Der Marinehof wie auch der Gänsemarkt schieben sich mit ihrem größerformatigen Granit- oder Sichtbetonplatten in den Klinkerteppich der Fußgängerzone hinein. Durch die Entfernung des raumgreifenden Wasserspiels und der Pflasterwelle erhält der Gänsemarkt seinen eigentlichen Platzcharakter wieder zurück.  Auf dem Rathausplatz beschränken sich die Umgestaltungsmaßnahmen auf die Entfernung der gepflasterten Hochbeete um die vorhandenen Bäume und der Kaschierung der verbleibenden Hügel durch geschnittene Eiben oder Hainbuchenkuben.  Die Kirche auf dem Kirchplatz erhält ein Passepartout aus großformatigen Granit- bzw. Ortbetonplatten. Durch eine unterschiedliche Oberflächenbearbeitung ein und desselben Materials wird der Eindruck einer Bänderung erreicht.  Der nördliche Eingang am Hafen wird durch einen kleinen Platz geprägt, der durch den Rücksprung der Stadtkante und der Fassaden des Speichers geprägt ist. Der Platz grenzt unmittelbar an die Kaifläche und erhält neben einer ergänzenden Baumpflanzung eine besondere Betonung vor dem Speichergebäude.

Beleuchtung

Das Beleuchtungskonzept greift die Ideen der Flächengestaltung auf und führt sie konsequent fort. Hängeleuchten in der Mittelachse der Fußgängerzone schaffen eine kontinuierliche Reihung von Lichtpunkten und korrespondieren mit der Mittelachse der Straßenzone, die durch die Rinne markiert wird. Die vielfältige Ausleuchtung der Schaufenster und die nach Möglichkeit indirekte Beleuchtung von Werbetafeln und Schildern steht wieder im Kontrast zu der ruhigen Grundhaltung innerhalb des Straßenraumes. Mastleuchten werden nur im südlichen Bereich der Kieler Straße und in der Frau-Clara-Straße verwendet. Damit wird der Ansatz der Nutzungsschwerpunkte unterstrichen. Die Platzräume werden mit Mastleuchten ausgestattet, erhalten darüber hinaus besondere und prägende Lichtakzente, die einen abendlichen Bummel durch die Altstadt von Eckernförde zu einem besonderen Erlebnis machen.