Langer Kamp Braunschweig 2009

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Quartier I Braunschweig I Deutschland I 2009
Perspektive gesamt

Text
Wettbewerb „Langer Kamp“ Braunschweig

Auslober: Stadt Braunschweig, FB Stadtplanung und Umweltschutz
Ort: Langer Kamp, Braunschweig
Landschaftsarchitekt: Land+, Hanne und Michael Finke, Dalby, DK
Verfahren: Bewerbungsverfahren
Teilnehmerzahl: 20 ausgewählte Stadtplaner + Architekten
Auslobung: 2009
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Städtebauliche Voraussetzungen

Das 2 ha große Plangebeit liegt in einer beliebten Wohngegend Braunschweigs mit gründerzeitlicher Bebauung. In unmittelbarer Nähe befinden sich zentrale Einrichtungen der TU Braunschweig. Die vorhandene Nutzung des städtischen Klinikums Braunschweig auf dem Baugrundsück soll ersetzt werden durch eine Nutzungsmischung aus hochwertigen innerstädtischen Wohnungen, Büroflächen und Einzelhandel. Die städtebauliche Lösung soll in Verbindung mit einer hohen architektonischen Qualität der Gebäudetypologien und Bauformen den innovativen und hochwertigen Charakter des Quartiers deutlich machen und einen unverwechselbaren Ort schaffen. Dabei sollen die das Geländer umgebende Mauer, das Tor-und das Hauptgebäude sowie der alte Baumbestand als identitätsstiftende Objekte möglichst erhalten und in das Gesamtkonzept integriert werden.

Leitidee

Die städtebauliche Analyse des Ortes macht deutlich, dass in dem Wohnviertel Grünflächen zur Steigerung der Lebens- und Wohnqualität fehlen. Deshalb ist der Erhalt der vorhandenen Grünflächen mit den großkronigen alten Bäumen ausschlaggebend für die Entwicklung unserer städtebaulichen Struktur. Die Neubaufelder sind weitestgehend auf Flächen gelegt, die bereits bebaut sind und durch Abriss verfügbar gemacht werden. Durch das Zusammenwirken von historischen Gebäuden, historischer Umfassungsmauer, altem Baumbestand und Neubebauung entsteht eine einmalige, „gewachsene“ Quartiersatmosphäre. Zugunsten einer großzügigen Grünfläche in der Mitte des Quartiers mit Naherholungs- und Naturerlebnisfunktion entsteht eine qualitätvolle städtebauliche Dichte mit einer GRZ von 0,25 und einer GFZ von 0,77 auf das Gesamtgrundstück bezogen.

Städtebauliche Struktur

Die städtebauliche Struktur ist gegliedert in 3 Bereiche:

– Das IV- geschossige Gebäude an der Hans-Sommer-Straße mit Vollsortimenter im EG und Büros bildet den nördlichen Abschluss des Quartiersparks und schirmt die Wohnbebauung vom  Verkehrslärm ab.

–  die III-geschossigen Stadthäuserzeilen flankieren den Park östlich und westlich. Am Langen Kamp werden die Gebäude von der historischen Mauer abgerückt, so dass sich Gartenhöfe bilden und die Gebäude gewissermaßen im Park stehen. Die beiden östlichen Zeilen überschneiden sich und bilden die Atmosphäre einer Wohnstraße. Durch das Einfassen mit Gartenmauern und Terrassen entstehen private Innenhöfe und Gärten, die geeignet sind für das ungefährdete Spielen von Kindern bzw. für Feste der Hausgemeinschaften.

– Das ehemalige Lazarettgebäude steht frei im Park und bildet seinen räumlichen Abschluss im Süden.

In Korrespondenz zum frei stehenden Torhaus wird ein frei stehendes, II-geschossiges Café-Haus an der Gliesmaroder Straße platziert.

Während der Innenbereich des Quartiers den Bewohnern zur Naherholung und den Kindern zum ungefährdeten Spielen dient, sind zu den Straßen hin punktuell öffentliche Nutzungen vorgesehen, die zur Integration des neuen Quartiers in das Stadtviertel beitragen:

Im Norden entsteht durch Zurücksetzen und Schrägstellen der Gebäudefront ein Eingangsvorplatz zum Supermarkt, auf dem auch öffentliche Stellplätze vorhanden sind.  Am Langen Kamp wird das ehemalige Pförtnerhaus zum Kiosk umfunktioniert, auf dem Vorplatz sind öffentliche Stellplätze vorgesehen.  Im Süden im Bereich des Café-Hauses ist die ansonsten vollständig erhaltene historische Umfassungs-mauer unterbrochen und das Gebäude zurückgesetzt, so dass zur Gliesmaroder Straße ein kleiner öffentlicher Vorbereich mit Straßenverkauf und Café-Terrasse entsteht.

Erschließung / Wegenetz

Das Fußwegenetz im Innenbereich ist zu allen Seiten mit der Umgebung verknüpft.  Die 3 Tiefgaragen sind von den flankierenden Straßen aus jeweils erschlossen.  Das Quartier ist somit im Innenbereich autofrei. In den Wohnweg der östlichen Stadthaus-Doppelzeile besteht Einfahrtmöglichkeit für Anlieferung und Rettungsfahrzeuge.

Nutzung  Wohnen

Zwei Stadthäuser bilden mit dem offenen, im Treppenbereich überdachten Innenhof, der der Erschließung und dem Spielen dient, ein Hauspaar. Die Häuser haben die gleiche Breite, aber zwei unterschiedliche Längen, so dass sich unterschiedliche Hausgrößen ergeben. Die Nutzung als Wohnung auf einem Geschoß oder als II- bis III-geschossige Maisonettewohnungen sowie Zusammenschalten zweier Hausmodule auf einer Ebene ermöglichen eine Vielzahl von Wohnungsvarianten, mit denen auf unter-schiedliche Anfragen des Marktes reagiert werden kann. Durch das vorgelagerte Balkongerüst werden die Einzelhauspaare zu einer Zeile verknüpft und einseitig eine klare Raumbegrenzung geschaffen. Die Balkone können einzeln auch als Erweiterungsfläche der Wohnungen geschlossen werden, wodurch eine lebendige Ansicht entsteht.

Zusammen mit den Mietwohnungen in den beiden Obergeschossen der Seitenflügel des Gebäudes an der Hans-Sommer-Straße beträgt die Neubau-BGF für Wohnen 7.665 m².  Im ehemaligen Lazarettgebäude entstehen durch Umbau 8 Studios, die auch als Zweitwohnung z.B. für Dozenten der Uni, als Ateliers oder auch als Büros genutzt werden können, sowie 4 größere Altbauwohnungen. Die Gesamtfläche beträgt 1.428 m².

Nutzung  Gewerbe / Büro

Büroflächen befinden sich in den oberen Geschossen des Gebäudes an der Hans-Sommer-Straße, sowie im 1. OG des Café-Hauses. Zusammen mit der Fläche des Vollsortimenters (1.656 m²) beträgt die gewerblich genutzte Fläche 5.516 m² BGF.