Gemeindezentrum Büdelsdorf 2018

WBW Büdelsdorf Skizze
WBW Büdelsdorf Skizze

Verfahren: ​Realisierungswettbewerb für 5 eingeladene Architekturbüros, ​anonymes Verfahren
Bearbeitungszeit: 2018
Ergebnis: ​2. Rang
Nettoraumfläche: ​2.595 qm

Aufgabe:
Planung eines Gemeindezentrums für die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Büdelsdorf unter Einbeziehung der Kreuzkirche sowie einer vorhandenen Kita. Gestaltung eines vernetzten Ensembles mit Innenhof und Außenspielbereich, bestehend aus Gemeindesaal, diversen Räumen für Gruppen, Erweiterungsbau Kita, Räumen für Jugendarbeit und einer Amtswohnung. Realisierbarkeit in zwei Bauabschnitten.

Text
Realisierungswettbewerb Gemeindezentrum Büdelsdorf
Erläuterungsbericht

Städtebaulicher Ansatz:

Die Auferstehungskirche, das alte Gemeindehaus und die Kita aus den 60er bzw. 70er Jahren stellen an der Berliner Strasse in Rendsburg Büdelsdorf ein ortsbildprägendes Ensemble dar.
Durch die Anordnung seiner Gebäude um einen gemeinsamen Innenhof erinnert die Anlage an Strukturen der geschichtlichen Klosterarchitektur, die es in diesem Falle zu erhalten und behutsam aufzuwerten gilt.
Aufgrund der umfangreichen räumlichen Ansprüche an das neue Gemeindehaus schlagen wir vor, den Bestandsbau an der Berliner Straße durch einen ein- bzw. später zweigeschossigen und unterkellerten Neubau mit flach geneigtem, nach innen hin offenen, Walmdach zu ersetzen.
Ein Arkadengang mit Beginn auf dem Kirchenvorplatz umsäumt den nun autofreien Begegnungs-hof und bildet das verbindende Glied der angrenzenden Nutzungseinheiten.
Die fussläufige Verkehrsachse vom Kirchenvorplatz bis zum Friedhof bleibt von der Planung unberührt.

Gemeindehaus:

Erschließung:
Der Haupteingang des neuen Gemeindehauses befindet sich auf der Hofseite gegenüber dem Eingang der Kita. Durch ein großzügiges, von oben lichtdurchflutetes Foyer über alle Geschosse, inklusive Untergeschoss, können sämtliche Nutzungsbereiche von hier aus wahrgenommen und auf kurzem Wege erreicht werden. Ein dem Foyer direkt zugeordneter Aufzug gewährleistet den barrierefreien Zugang aller Geschosse. Zwei zentrale Räume des 2.BA, der Abstellraum für Kinderwagen und Gehhilfen sowie der Garderobenraum werden erdgeschossig im I.BA angeboten.

Raumkonzept:
Das Herzstück des Gebäudes, der große teilbare Gemeindesaal, ist zum Kirchenvorplatz hin ausgerichtet. Von dort aus ist er über eine großzügige Glasfassade unter dem Arkadengang schon früh erlebbar. Der zu 2/3 über zwei Geschosse hohe Saal kann im 2.BA durch eine dreiseitig umlaufende Balustrade erweitert werden.
Die Räumlichkeiten der „Arbeit mit Kindern“ werden in direkter Nachbarschaft zur bestehenden Kita angeordnet und stellen das innenräumliche Verbindungsglied zwischen Kita und Gemeindehaus dar.
Die Küche und die Räume der „Erwachsenenarbeit“ orientieren sich nach Norden zur Berliner Straße hin, wobei auf den Raum für die Seniorengeburtstagsfeier verzichtet wurde. Für diesen Anlass schlagen wir vor, die Räume Montagsgruppe oder den Erweiterungsbereich des Saales heranzuziehen.
Die Räume der „Jugendarbeit“ werden im Untergeschoss mit direktem Anschluss an den Außenbereich über einen nach Westen ausgerichteten abgeböschten Werkhofbereich konzipiert. Ebenfalls im Untergeschoss angeordnet werden die Sanitär- und Technikräume, die Räumlich-keiten des Besucherdienstes, sowie die separaten Kleinräume mit erhöhtem Schallschutz.
Um das Maß der überbauten Fläche auf ein Minimum reduzieren und möglichst viel nutzbare Freifläche erhalten zu können, schlagen wir vor, die Musikübungs- und Verwaltungsräume samt Nebenräumen des 2.BA im Rahmen einer nachträglichen Aufstockung vorzusehen.

Bauweise:
Das Untergeschoss des I.BA wird als WU-Konstruktion konzipiert. Die Außenwände der erdgeschossigen Bauteile werden aus nachhaltigem Leicht-H-L-Ziegelmauerwerk mit zusätzlicher Dämmung und Verblendmauerwerk vorgesehen.
Die Walmdachflächen mit Zinkblecheindeckung und das Glasdach des 1.BA werden als Einzelelemente in der Form konzipiert, dass sie im Zuge der Erstellung des 2.BA demontiert und auf die Aufstockung, die in Holztafelbauweise konstruiert wird, wieder aufgesetzt, verankert und gekoppelt werden können.
Als vorübergehenden Wetterschutz für das Erdgeschoss während der zweiten Bauphase wird im Zuge des 1.BA die Geschossdecke bereits mit einer Abklebung versehen. So können die Räumlichkeiten des I.BA auch während der zweiten Bauphase weitestgehend uneingeschränkt weiter genutzt werden. Die Fassaden des Obergeschosses in Holztafelbauweise werden mit dem gleichen Verblendmauerwerk wie das Erdgeschoss in Massivbauweise verkleidet, um dem Gebäude Homogenität zu verleihen.

Kitaerweiterung:

Nach Fertigstellung des 1.BA des Gemeindehauses kann die Kitaerweiterung durchgeführt werden. Während der Baumaßnahme könnten die Gruppen des östlichen Kitaflügels vorüber-gehend die neuen und direkt an der Kita angegliederten Räumlichkeiten der „Arbeit mit „Kindern“ beziehen.
Wir schlagen vor, die Südfassade der bestehenden Kita um 3,00 m nach außen zu versetzen und die zwei Gruppenräume im östlichen Flügel der bestehenden Kita (Altbau) um 90° zu drehen. Damit kann zwischen den beiden bestehenden Gruppenräumen ein dritter Gruppenraum integriert werden. Zur Belichtung der durch die Drehung tieferen Räume werden zusätzlich Dachflächen-fenster integriert.
Durch eine zweite Erweiterung im Bereich der Südwest-Ecke wird der zweite zusätzliche Gruppenraum, sowie die Räume für Therapie und Besprechung untergebracht. Der bestehende Bewegungsraum (Turnen-Spielen) kann in diesem Zuge nach Süden hin auf die doppelte Fläche erweitert werden.
Neu konzipiert wird ebenfalls der Haupteingang der Kita. Hier wird zugunsten des umlaufenden Arkadengangs und einer großzügigeren Eingangssituation auf den ohnehin baurechtlich fragwürdigen „Wehrturm“ (1. baulicher Rettungsweg etc.) verzichtet und die Nordfassade der Kita um weitere 3,00 m in den Hof hinein erweitert. In diesem „geschlossenen“ Bereich des Arkaden-ganges wird die Küchenerweiterung und die Möglichkeit eines kleinen offenen Essraumes für die Kita vorgesehen.

Amtswohnung:

Für die Amtswohnung ist ein freistehendes zweigeschossiges Einfamilienhaus als Solitär am Pommernweg vorgesehen, das die nachbarschaftliche Bebauung, überwiegend bestehend aus kleinen Einfamilienhäusern, aufnimmt. In seiner Materialität nimmt es Bezug auf das Gesamtensemble. Auf Grund seiner direkten Lage an der Stellplatzanlage sind die Räumlichkeiten des integrierten Amtsteils über einen eigenen und direkten Zugang auf kurzem Wege auffindbar.

Ruhender Verkehr:

Entlang des Pommernweges werden zu den bereits 12 vorhandenen 16 weitere Stellplätze zwischen Kirche und Amtswohnung errichtet.
Fahrradabstellmöglichkeiten werden in ausreichendem Maße auf dem Kirchenvorplatz erstellt.