Haus Schröder Heikendorf 2014

Haus Schroeder vom Wasser; Fotograf: Jean Molitor, Berlin
Haus Schroeder vom Wasser; Fotograf: Jean Molitor, Berlin
Text
Haus Schroeder, Alt-Heikendorf

Ort: Quellengrund 2, 24226 Heikendorf
Architekt: Magistratsbaurat der Stadt Kiel Rudolf Schroeder (1931)
Architekten der Sanierung: Marie + Peter Zastrow (seit 2005)
Grundstücksfläche: 3.000 qm
Wohnfläche: 72 qm
Denkmalschutz: Haus und Garten sind eingetragene Kulturdenkmale
Sanierungszeit: 2006 – 2018 (Hochwasserschutz)
2013 / 2014 Haus und ehemalige Garage

Haus Schroeder, errichtet innerhalb von 3 Monaten im Jahr 1931:
Geplant und errichtet in „Leichtbauweise“, feierte das Haus dieses Jahr im September seinen 87. Geburtstag! Die Konstruktion besteht aus 10/10 Holzstützen und beidseitiger Verkleidung mit 5 cm starken, mit 3 cm Kalkzementputz versehenen Holzwolleleichtbauplatten. Diese Konstruktion wurde gewählt, weil das Haus auf einem moorigen Quellengrund steht. Es wurde von Rudolf Schroeder, einem weltoffenen, naturbegeisterten, jungen Architekten für seine Frau und sich geplant und lebenslang bewohnt. Inspiriert vom Geist der „Neuen Sachlichkeit“, sinnhaft geprägt mit Elementen der Schiffsarchitektur an seinem Standort unmittelbar am Ufer der Förde, hat es nichts an Modernität verloren. Die lang gestreckte, weiße Terrassenmauer trägt zum dem Leitmotiv „Schiff“ genauso bei, wie das Terrassendach mit seinem Fahnenmast im Mittelpunkt der Rundung – Horizontale und Vertikale erzeugen eine – besonders vom Wasser aus sichtbare – Spannung.
Das Haus hat nicht nur die Gestaltungs- und Existenzkrise der 30er und 40er Jahre überstanden, sondern auch mehrmals in diesen 87 Jahren Orkanen standgehalten und im Ostseewasser gestanden. Letzteres hat dem Haus so stark zugesetzt, dass es an manchen Stellen bereits verrottet war, als wir es 2005 bezogen.
Der Charme des Hauses lebt einerseits von seiner Architektursprache und klug gewählten, bescheidenen Ausformung, andererseits von dem Ort selbst: es steht direkt am Fördeufer, mit natur-belassenem Obstgarten, hohen alten Bäumen, Arthesischer Quelle und Au. In den 1950er Jahren wurde von Rudolf Schroeder eine kleine „Frühstückskanzel“ mit rahmenloser Rundumverglasung auf der Gartenseite als Erweiterung der kleinen „Frankfurter Küche“ angebaut. Einziges Nebengebäude ist die ehemalige Garage, die von Rudolf Schroeder in 1950er Jahren als schlichter, weißer Kubus errichtet wurde. Für die Zufahrt wurde damals in der weißen Gartenmauer eine größere Öffnung hergestellt.

Maßnahmen durch Ehepaar Zastrow seit 2005:
Hochwasserschutz, Sanierung des Hauses, Erweiterung und Umbau der Garage:
Nach Überflutung durch ein Hochwasser am 2. November 2006 wurde der Hochwasserschutz die vordringlichste Aufgabe – zeitlich vor der Sanierung des Hauses. Die Terrassenmauern wurden durch neue, bewehrte Betonmauern in gleicher Ausformung wie die alten, weiß verputzten Ziegelmauern ersetzt. Zusätzlich wurde eine 30 m lange Grundstücksmauer als Gabionenwand mit Betonverfüllung errichtet. Alle neuen Mauern erhielten tiefe, bewehrte Streifenfundamente, die Unterspülungen überbrücken können. Außerdem stellten wir im rückwärtigen Gartenbereich einen Erddeich um den größten Teil des Grundstückes her – mit Schaufel und Schubkarre, denn Baggern ist wegen des moorigen Grundes nicht möglich. Ziel war und ist es, die Maßnahmen in den Landschaftsgarten gut einzufügen. Den verlandeten und von Seggen überwachsenen Forellenteich stellten wir wieder her – er dient zudem jetzt als Staubecken für das Quellwasser im Hochwasserfall, denn die ein- und ausfließende Au kann durch Schotts zur Ostsee hin jetzt verschlossen werden.
Die Sanierung des Hauses wurde nach Fertigstellung der Grundstücksmauern in 2013 begonnen und in 2014 beendet. Zunächst wurde die kleine „Frühstückskanzel“, die aufgrund der Einfachverglasung besonders in der kalten Jahreszeit innen eine starke Schimmelbildung aufwies und dadurch marode war, ersetzt durch eine größere Frühstücksveranda. In Anlehnung an die alte Kanzel wurde diese wieder mit rahmenloser Rundumverglasung – jetzt mit Dreifachverglasung – konstruiert.
Neben der Erneuerung der kompletten Sockelbereiche wurden das Dach mit Zellstoff und die Außenwände mit Perlite gedämmt, die Fenster mit Dreifachverglasung versehen, die Außentüren entsprechend der Gestalt der alten Außentüren erneuert, die Fußböden gedämmt und erneuert und eine Fußbodenheizung eingebaut. Eine neue Wärmepumpenheizungsanlage, die ihre Wärme aus der immer 9° warmen Quelle bezieht, wurde eingebaut, so dass die Energiebilanz des Hauses auf einen sehr guten Stand gebracht werden konnte. Zudem wurde in dem schmalen kleinen Vorbau, der anfangs als Geräteraum, später dann als „Studentenzimmer“ genutzt worden war, ein neues Bad eingebaut. Das alte, sehr kleine und nicht mehr zeitgemäße Bad wurde zugunsten der Vergrößerung des Gästezimmers entfernt. Die Außenwände, die im Laufe der Zeit mehrmals mit Geweben überzogen und angestrichen worden waren, wurden in Spachteltechnik aus Kalk-/ Marmormehl in mehreren Arbeitsgängen nachhaltig wetterfest hergestellt und müssen nun nicht mehr – wie zuvor – jährlich weiß gestrichen und ausgebessert werden.
Als letzte Maßnahme wurde die Garage aus den 1950er Jahren, die zuletzt als Abstellraum diente, verkleidet und ergänzt durch einen kleinen Außenabstellraum in Holzständerbauweise. Von Anfang an schien uns die Garage mit ihren weißen Aussenwänden ein Kontrahent zur Alleinstellung des Baudenkmals zu sein. So beschlossen wir, Garage und Abstellraum gestalterisch zu einem Kubus zusammenzufassen und diesen mit Corten-Streckmetallplatten zu verkleiden. Das Cortenmaterial mit seiner rostigen, aufgrund der Struktur optisch gebrochenen Oberfläche verschwindet – aus der Ferne betrachtet – vor dem Hintergrund der Pflanzen und Bäume. Von nahem betrachtet stellt der Kubus eine eigenwillige, zeitgemäße Gestaltung gegenüber dem Baudenkmal dar, das damit seine Eigen-ständigikeit wiedererlangt. Der Kubus hat zwischen ehemaliger Garage und Abstellraum einen überdachten kleinen Hof, der nicht nur sehr nützlich ist, sondern auch als Fenster zur umgebenden Landschaft wahrgenommen wird. In seiner monolithischen Geometrie erscheint der Kubus wie ein Container, wie ihn die vorbeifahrenden Frachter transportieren.